Frauen, die Lenzburg prägten – und es bis heute tun

Frauen, die Lenzburg prägten – und es bis heute tun

Rückblick


Veröffentlicht: 22.01.2026

Mit einem inspirierenden Abend am 22. Januar 2026 startete BPW Lenzburg ins neue Clubjahr. Co-Präsidentin Christine Ziegler begrüsste die Teilnehmerinnen herzlich im Restaurant Ochsen, wo nach einem gemütlichen Abendessen Dr. Marc Philip Seidel, Direktor und Kurator des Stadt- und Regionalmuseums Lenzburg, uns in die Ausstellung «Pionierinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen – 200 Jahre Lenzburger Frauenpower» entführte.

Schon beim Umbau des Museums, so erzählte Seidel, habe man eine klare Entscheidung getroffen: «Lieber weniger zeigen, dafür mit Tiefe.» Das Museum wolle Geschichten erzählen, die wirken – und das tut auch diese Sonderausstellung auf eindrückliche Weise.

30 Biografien von Lenzburger Frauen bilden das Herzstück der Schau. Sie zeigen, dass die Geschichte der Stadt nicht nur von industriellen Erfolgen und Firmengründungen, sondern auch von mutigen, kreativen und engagierten Frauen geprägt wurde. Frauen, die ihre Zeit herausforderten, in Kunst, Musik, Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft Grenzen verschoben und die DNA Lenzburgs bis heute mitbestimmen.

Seidel sprach über Clara A. Müller, eine Künstlerin, die zu Lebzeiten einen beachtlichen Erfolg hatte – wäre sie ein Mann gewesen, bemerkte Seidel, hätte sie wohl Karriere gemacht, die in den Kunstbüchern stünde. Er stellte auch Gertrud Villiger-Keller, Sophie Haemmerli-Marti, Olga Plümacher und Erika Wedekind vor – Sängerinnen und Denkerinnen, die international wirkten, aber oft vergessen oder zu wenig beachtet wurden.

Die Ausstellung verknüpft Vergangenheit und Gegenwart: Auch Maja Riniker und Irène Kälin, beide Nationalratspräsidentinnen aus Lenzburg, erzählen in kurzen Porträts von ihrem Antrieb und ihrer Verbindung zur Stadt.

>Besonders eindrücklich ist die visuelle Gestaltung der Ausstellung: Aquarelle von Lenzburgerinnen aus der musealen Sammlung wurden mit KI-generierten Elementen kombiniert. Auf dem Plakat erscheint die griechische Göttin der Erinnerung (Mnemosyne) – Sinnbild für das wiederentdeckte Wissen und die Erinnerung an die Frauen, deren Geschichten lange verborgen blieben.

Auch in der Vermittlung geht das Museum neue Wege. Für die Ausstellung entstanden eigens produzierte Podcastfolgen, bei dem ebenfalls KI zum Einsatz kam. Vier Lenzburger Dichterinnen erzählen bei Telefonanrufen in der Ausstellung ihre Geschichten. Dabei wirken sie sehr lebendig und modern.

Mit Begeisterung und Leidenschaft sprach Seidel über sein Unterfangen einen einzigen riesigen «Stammbaum Lenzburgs» zu zeichnen – ein Netzwerk der Menschen, Ideen und Beziehungen, die diese Stadt über Generationen geprägt haben. Ein Zeitstrahl in der Ausstellung visualisiert, wie eng viele dieser Persönlichkeiten miteinander verbunden waren.

Am Ende des Abends blieb vor allem eines: Bewunderung für die Frauen, die Lenzburg geprägt haben, und für die Leidenschaft, mit der Vortragende ihre Geschichten wieder ans Licht bringt. Alle Texte und die 30 Biografien lassen sich im gleichnamigen Begleitbuch nachlesen

Ein gelungener Start ins neue Jahr, der Mut macht und inspiriert, den eigenen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten – gestern, heute und morgen.
Wir freuen uns bereits auf die nächsten Begegnungen in unserem Netzwerk.